Rezension: Veronika beschließt zu sterben

Eine Arbeitskollegin meinte eines Tages zu mir „Ich lese da gerade ein tolles Buch! Veronika beschließt zu sterben, kennt du das?“. Ich musste verneinen und gestehen, dass ich über das Buch nicht mehr wusste, als das es dazu einen Film gibt, der bereits im September im Kino lief und den ich nicht gesehen habe. Die selbe Kollegin war so nett, mir das Buch über meinen Weihnachtsurlaub auszuleihen. So konnte mich eine Art Literatur überraschen, die ich sonst nie in die Hände genommen hätte…

Geboren wird Paulo Coelho 1947 in Rio de Janeiro. Seine Eltern – der Vater Ingenieur, die Mutter Hausfrau – schicken ihn als Siebenjährigen auf eine Jesuitenschule. Auch wenn ihn die Enge des Ortes bedrückt, bringt ihm die Zeit dort auch die Gewissheit, einmal als Schriftsteller arbeiten zu wollen. Doch Paulo soll den Beruf des Vaters ergreifen und Ingenieur werden. Eine Leidenszeit beginnt, in der Coelho mehrmals in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Aber letztlich beschreitet Paulo Coelho seinen eigenen, selbstgewählten Weg, schreibt Bücher – und wird zu einem der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart.

Zur äußeren Gestaltung lässt sich bei diesem Buch nun wirklich nicht viel sagen. Jeder von uns hatte schon ein Buch aus dem Diagones Verlag in der Hand, ob es nun als Schullektüre oder dem privaten Genuss zugeführt wurde. Und genau wie alle anderen Bücher des Diagones sieht eben auch „Veronika beschließt zu sterben“ aus. Unscheinbar. Und doch so volle Überraschungen.

Slowenien? Wo das liegt? Verärgert über die Borniertheit eines ausländischen Zeitungsartikels beginnt die junge Slowenin Veronika, einen geharnischten Antwortbrief an den Verfasser zu entwerfen. Fast hat sie über ihrem Zorn vergessen, dass sie gerade eine Überdosis Schlaftabletten eingenommen hat und eigentlich auf den nahen Tod wartete, als ihr neben dem Bett dieser Artikel ins Auge fiel. So viel Zeit muss sein. Die Wirkung hat noch nicht eingesetzt und Veronika begann sich ohnehin fast ein wenig zu langweilen, also schreibt sie. Dann schläft sie ein. Als sie wieder erwacht, befindet sie sich in Villete, dem berüchtigten Irrenhaus von Ljubljana.

Ich muss gestehen, dass ich solche Bücher verschmähe. Ich kann noch nicht einmal sagen, was mich diesmal dazu bewegt hat, das Buch doch zu lesen.
Auf alle Fälle klappte ich es auf und wurde schon nach wenigen Seiten gefangen genommen. Die Thematik ist so überraschend anders als alles, was ich bisher gelesen hatte. Der Schreibstil geleitet den Leser flüssig bis zum Ende.
Da es viele Abschnitte hatte, war es wunderbar für zwischendurch, in der U-Bahn und auch mal für ein längeres Lesevergnügen geeignet.

Veronikas Geschichte wird einfühlsam vom Autor geschildert. Und man merkt einfach, wie erfahren er in dieser Geschichte war. Nicht zuletzt merkt man, dass der Autor hier auch ganz eigene Erfahrungen in die Geschichte mit einbrachte.
Der liebliche Charakter der Veronika, die ein ganz normales und doch so langweiliges (wie sie selbst findet) leben führt, ist ein Charakter, in den man sich leicht hinein versetzen kann. Nicht zuletzt, weil wir uns teilweise in ihm widerfinden.

Der Aufenthalt in Villete ist sehr ausführlich und intensiv geschildert. Es regt zum Nachdenken an und entzieht den Leser seinem eigenen Leben, um ihm von einem ganz ungewöhnlichen Leben zu erzählen.
Dass die Sichtweise in regelmäßigen Abständen Veronika verlässt und einer der anderen Patienten die Geschichte weiter erzählt ist sehr gelungen, vor allem, weil man dadurch eben auch die anderen, die wirklichen und unwirklichen Verrückten näher kennen lernt.

Ein Buch, das schockiert. Das zum Nachdenken anregt. Und das den Leser entführt auf eine Reise durch das Leben. Und wenn man dann das Buchzur Seite legt, frägt man sich dann doch: Habe ich aus meinem Leben das richtige gemacht? Bin ich glücklich?
Ja. Das bin ich. Und zwar glücklich, ein solches Buch gelesen zu haben.

Veronika beschließt zu sterben
Paulo Coelho
Diagones – Februar 2002
223 Seiten, broschiert
[8,95€]

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3 responses to “Rezension: Veronika beschließt zu sterben

  • franziskahuhnke

    Coelho ist mein Lieblingsautor. Ich habe alle Bücher von ihm und warte immer sehnsüchtig auf das Nächste.
    Er spricht meist Dinge an, die nicht alltäglich sind, aber berühren.

    Freut mich, dass es dir gefallen hat =)

    • Lariel

      Ich glaube das ist es auch, warum ich ihn nicht lese: manche Dinge will ich nicht unbedingt lesen. Ich habe auch mal bei Amazon gestöbert. „Veronika beschließt zu sterben“ war noch das Buch von ihm, das mich am meisten angesprochen hat.

      Ich glaube zwar nicht, dass ich wieder etwas von ihm lesen werde, aber war auf alle Fälle positiv überrascht. =)

  • misskattiec

    Ich kenne bis jetzt nur „Der Alchimist“ und war total begeistetr. Was du schreibst klingt toll, vielleicht besorge ich es mir bald, es ist definitiv auf meiner wunschliste nach oben gerutscht.

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