Rezension: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele

Bei Kai Meyer war es schon so: es gibt Bücher, die man irgendwann einfach lesen muss. Mainstream. Auch die Tribute von Panem gehören da wohl dazu. Nachdem der dritte Band erschienen war, musste ich dann doch zum ersten Teil „Tödliche Spiele“ greifen, weil einfach alle so begeistert von den Büchern waren.

Suzanne Collins wurde 1962 geboren. Schon Anfang der 90er Jahre begann sie mit dem Schreiben und schrieb Drehbücher für das amerikanische Kinderfernsehen. Ihre 2003 erschienene fünfteilige Reihe um Gregor wurde schnell eine internationaler Erfolgsserie. Auch „Die Tribute von Panem“, welche 2009 erschienen entpupten sich als senkrechstarter. Der erste Band wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Bei der Aufmachung hat sich der Oetinger Verlag viel Mühe gegeben. Nicht nur der Schutzumschlag mit dem tollen Motiv überzeugt, auch das eigentliche Hardcover, welches darunter liegt ist ein Augenschmaus. Mir fehlte nun noch ein paar Verziehungen im Inneren, um das Buch optisch hervorragend zu gestalten. Aber letzen Endes muss schließlich der eigentliche Inhalt überzeugen.

Amerika gibt es nicht mehr. Das Kapitol regiert nun über die 12 Distrikte, der 13., der sich auflehnte, wurde bereits vom Kapitol zerstört. Jedes Jahr zeigt das Kapitol den Distrikten, dass sie die Macht über sie haben und veranstaltet die Hungerspiele.
Als das Los auf Prim, Katniss kleine Schwester fällt, zögert sie nicht für sie die Arena zu betreten. Zusammen mit Peeta, dem männlichen Tribut von ihrem Distrikt, muss sie ins Kapitol und in der Arena ums Überleben kämpfen. Beiden ist klar, dass ihre Freundschaft nicht von Dauer sein wird, denn nur einer von ihnen kann die Arena lebend verlassen.

Der Deutsche Jugendliteraturpreis? Wow. Das Buch muss es in sich haben.
So waren meine Gedanken, als ich das Buch griff und erwartete, dass ich eine tiefgründige, emotionale Lektüre vorfinden würde, die mich zumindest halb so stark emotional begleiten wird, wie „Die Auswahl“. Denn das Thema ist hart und ich hätte nicht gedacht, dass ein Jugendbuch eine solch „brutale“ Geschichte beinhalten könnte.
Man nehme 24 Jugendliche und schließe sie in eine Arena ein. Und man lässt sie so lange sich gegenseitig töten, bis nur noch ein Kanidat über ist. Ich finde, dass dies nicht gerade die Geschichte ist, die ich meinem Kind in doch recht jungen Jahren anvertrauen wollen würde.
Zum Glück muss ich mir doch darum keine Gedanken machen, denn das Buch ist schließlich für mich als „All Ager“ und nicht für Kinder, die ich nicht habe.

Die Erwartungen waren also groß und ich wusste dennoch nicht wirklich, was mich erwarten sollte. Dann begann ich zu lesen und lernte Katniss kennen. Sie jagt und tötet Tier im Wald, tauscht diese gegen Essen, ernährt ihre Familie. Man mag kaum glauben, was da geschieht, muss die älteste Tochter für die Familie sorgen.
Dann werden die Tribute der Distrikte gezogen und Katniss tritt für ihre Schwester in die Arena, wohl wissend, dass sie eventuell nicht zurückkehren wird, ihre Familie aber wohl versorgt werden würde. Ihr Gegenpart, Peeta, zeigt von Anfang an, dass er kein Gewinnertyp sein wird.
Hier muss man doch schon innehalten und frägt sich, was noch auf den weiteren Seiten passieren soll, denn viele sind schon nicht mehr über.
Das Training, die Arena. Sehr – wie ich finde – seltsame Wendungen und dann ist das Buch aus.

Emotionale Seiten konnte ich kaum entdecken. Die Beziehung zwischen Peeta und Katniss wird sehr eindeutig beschrieben und ist für mich somit „abgehakt“. Es ist jedoch nichts, bei dem ich mitfiebern oder fühlen konnte, ich war eher enttäuscht, dass sich die beiden Protagonisten so verhielten, wie sie es taten.
Einzig und allein eine Stelle fand ich schockieren. Aber auch diese wurde nicht so erzählt, dass sie mich gepackt hätte.

Der Schreibstil ist einfach, eben das, was ich von einem „All Age“ Roman erwarte. Mich packte es nicht „vom ersten Satz an“, aber man holpert auch nicht durch die Geschichte.

Dann klappte ich das Buch zu und dachte mir: „Schön, das war’s. War ja jetzt nicht so toll, wie ich hoffte.“ Als nächstes musste ich mich unweigerlich fragen, wieso es noch weitere Teile gibt. Ein Buch hätte vollkommen gereicht und ich hatte das Gefühl, dass man hier wieder aus verschiedensten Gründen eine Trilogie pushen wollte.

Die Tribute von Panem waren bislang „ganz nett“. Ich werde wohl irgendwann weiterlesen. Aber es ist nichts, was ich mit einem Preis ausgezeichnet, geschweige denn in den Himmel lobend weiterempfehlen würde.
Eine Leseempfehlung gibt es – dennoch würde ich als Mutter dieses Buch nicht meinen Kindern kaufen wollen. Auch wenn man diesen heutzutage mehr zumutet.
Und noch ein Tipp am Rande: Wer die Trilogie noch nicht begonnen hat, sollte definitiv auf das Erscheinen des Schubers warten. Ich empfinde die Preis – Leistung des Buches (großer Schrift, relativ wenig Geschichte und „nur“ 415 Seiten) nur bedingt gerechtfertigt – trotz wunderschöner Aufmachung!

Die Tribute von Panem
Tödliche Spiele
Suzanne Collins
Oetinger – Juli 2009
414 Seiten, gebunden
[17,90 €]

Advertisements

6 responses to “Rezension: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele

  • David

    Hi Sandra,
    schöne Rezi!
    Ich muss dir echt in vielen Punkten zustimmen. Für mich war das Buch gut, nett, schön, okay. Aber nicht so unglaublich toll, wie ich es monatelang gehört habe… Leider!
    Band 2 subbt ja bei mir… mal sehen, wenn ich irgendwann mal Lust auf diese Sache habe, dann werd ich ihn schon Lesen.

    LG David

  • Stephie

    Wenn du die nächsten Teile noch liest, wirst du erkennen, dass ein Buch hier definitiv nicht ausgereicht hätte und man in diesem Fall nicht einfach nur eine Trilogie daraus machen wollte. Denn auch wenn das Ende nicht richtig offen ist, so müsste dir doch klar sein, dass Katniss Verhalten am Ende Konsequenzen haben wird.

    • Lariel

      Na ja, dass Katniss verhalten Konsequenzen haben wird etc. ist mir ja auch klar, aber dieser „Ich muss das jetzt uuuunbedingt lesen“ Effekt fehlt. Es reißt mich nicht so sehr mit und irgendwie ist mir wohl nicht bewusst, wie tief die Konsequenzen sein könnten. Dazu kommt, dass die Inhaltsangabe von band 2 irgendwie wie Band 1 klingt, finde ich :(
      Lesen werde ich die nächsten Teile aber auf alle Fälle irgendwann noch. :) Und vielleicht ändert sich dann meine Meinung noch mal.

  • sarista

    Erstaunlich wie weit die Meinungen zu der Reihe auseinander gehen… so ähnlich wie du hat das auch eine Freundin von mir beschrieben, als sie mir die Bücher ausgeliehen hat. Ich war dann aber nach kaum 50 Seiten so gefesselt, dass ich die Bücher kaum aus der Hand legen konnte. Ich war also ziemlich begeistert und kann dir nur empfehlen weiter zu lesen, meiner Meinung nach werden die Bücher immer besser.

    • Lariel

      Das ist ja auch etwas, das ich von einer Trilogie erhoffe: sie müssen zum „Ende“ hin besser werden! ;)
      Ich bin nur einfach nicht so gefesselt gewesen. Ich habe keine Ahnung wieso! Wenn ich dann zum Beispiel sehe, wie Kerstin Gier davon so begeistert war und gemeint hatte,sie hatte ganz oft Tränen in den Augen etc., ich hab mich da echt gefragt, ob ich emotionslos geworden bin .. *g*
      Sobald der Schuber rauskommt, hole ich mir den aber & werde die Reihe auch noch zuende lesen. Vielleicht ergibt dann auch einiges aus dem ersten Band dann für mich mehr Sinn. ;)

  • InaiMathi

    Ha! Als ich den ersten Band damals durch hatte, dachte ich mir auch: Warum zum Teufel konnte man es nicht einfach dabei belassen? Bis ca.10 Seiten vor Schluss ist die Geschichte meiner Meinung nach nämlich abgeschlossen. Und auch deine weiteren Kritikpunkte, bzw. all das, was du – im Gegensatz zur Mehrheit da draußen – jetzt nicht so berauschend / fesselnd fandest, würde ich so unterschreiben.

    Hatte echt gedacht, ich wäre der einzige, der die Tribute jetzt nicht unbedingt als Heiligen Grad der Jugendbuch-Literatur ansieht… ;)

    Tolle Rezi!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: