Rezension: Erebos

Wie einige von euch wissen, bin ich selbst bekennende Computer- und Konsolenspielerin. Sehnlichst erwarte ich gewisse Spiele, um endlich in ihre Welten versinken zu können. Eines Tages wurde ich dann auf den Roman „Erebos“ aufmerksam, um den es um ein Computerspiel geht. Daher war für mich klar, dass ich ihn irgendwann unbedingt lesen muss!

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie studierete alles querbeet was die dortigen Unis zu bieten hatten und landete schließlich als Redakteurin bei einem medizinischen Fachverlag. Während sie für diesen noch heute tätig ist, widmet sie sich nebenher dem Kinder- und Jugensbuchschreiben und wurde 2005 bereits mit einem Preis dafür ausgezeichnet.

Das Cover an sich finde ich nicht gerade ansprechend. Dick prangt die Schrift „Erebos“ auf dem roten Cover. Es wirkt abgegriffen, alt. Lediglich ein Auge ziert den Umschlag, bei dem man denkt, dass es einen anschaut und vor allem durchschaut. Als Coverkäufer wäre ich davon eher weniger angezogen. Klappt man das Buch auf und betrachtet es in Gänze erkennt man, dass zwei Augen den Leser beobachten…

Nick Dunmore besucht eine Schule in London und spielt im Basketballteam. Mit der Zeit beobachtet er, wie zwischen den Schülern DVDs ausgetauscht werden und immer mehr Schüler in der Schule fehlen. Auch sein Basketballteam tritt nur noch stark dezimiert zum Training an, sogar sein bester Freund Colin erscheint nicht mehr zum Training und reagiert nicht auf Anrufe.
Eines Tages erhält auch Nick endlich eine dieser DVDs mit dem Titel „Erebos“, unter der Bedingung: er darf mit niemandem darüber reden, er muss stets alleine spielen und er hat nur eine Chance am Spiel teilzunehmen. Erebos zeigt ihm eine neue Welt und fordert ihn heraus. Um Level zu erhalten muss Nick in der realen Welt Aufgaben erfüllen und das Spiel scheint stets zu wissen, ob er diese Aufgaben auch erfüllt hat. Doch Erebos verfolgt einen Zweck und dieser scheint darauf hinauszulaufen, dass Menschen dabei getötet werden könnten…

Ich wusste nicht so recht, welche Erwartungen ich an das Buch haben sollte. Da ich ja selbst Computerspiele spiele, kenne ich Welten wie die von Erebos und habe mich auch schon gefragt, ob eine Mischung aus Spiel und Realität funktionieren könnte. Meine Antwort war stets nein. Doch nachdem ich das Buch gelesen habe, frage ich mich doch, ob ein solcher Spielmechanismus funktionieren könnte.
Fasziniert hat mich dabei vor allem, wie Erebos dargestellt und beschrieben wird. Das Spiel beinhaltet viele Elemente, die man aus Spielen wie World of Warcraft, GuildWars und Diablo kennte. Und doch wirkt es einzigartig, als ob es einen gewissen Stempel trägt, der auf einen größeren Zusammenhang hindeutet.

Nick gerät eher zufällig in diese ganze Welt hinein. Seine Neugierde wurde vor allem durch die DVDs geweckt, die herumgereicht wurden. Er wollte unbedingt wissen, was die Runde neuerdings machte. Ein Film, der auf dem Index stand? Musik? Daher nimmt er die DVD direkt an, als sie auch ihm angeboten wird und verliert sich direkt in dem Spiel.
Interessant ist dabei vor allem der Perspektivenwechsel, mit dem Frau Poznanski den Leser ebenfalls in die Welten von Erebos schickt. Schon direkt von Anfang an fühlt sich Nick als Sarius, die Spielfigur, die er im Spiel erschaffen hat. Er taucht so tief in diesen Charakter ein, dass er schon nicht mehr realisiert, was in der wirklichen Welt um ihn herum geschieht. Sein Verhalten ändert sich so schnell wie das der anderen Spieler, die er an seiner Schule beobachten konnte. Schnell kann man erkennen, wer Erebos spielt, wer es bislang nicht tat und wer aus dem Spiel ausgeschieden ist.

Die Aufträge, die das Spiel in der wirklichen Welt verteilt sind sehr vielfältig. Diese können ein Transport einer Sache von A nach B, das Kopieren von Dokumenten, ein Anruf bei einer Person oder auch das Schaden einer Person sein. Dabei prüft das Spiel vor allem, mit wie viel Skrupeln der jeweilige Spieler seine Aufgaben erfüllt.
Auch Nick erhält einen Auftrag, bei dem er sich schwer überlegen muss, ob er ihn erfüllen möchte…

Gleichzeitig bringt ein solches Spiel, das von mehr als dreihundert Menschen gespielt wird, auch eine Reihe an Charaktere in die Geschichte ein. Dennoch hatte ich nie das Gefühl den Überblick zu verlieren oder nicht mehr zu wissen, was der jeweilige Charakter getan hat. Zusammenhänge waren ersichtlich und dennoch überraschend. Auch die Auflösung am Schluss fand ich sehr gelungen, vor allem mit dem sozialen Aspekt, der dahinter steckt. Die Nachricht des Buches ist klar und für unsere Jugend sicher nicht unwichtig. Dennoch ist das Buch auch gut als Erwachsener zu lesen.

Erebos. Ein Spiel, das beobachtet, spricht, belohnt, prüft, droht. Und tötet.
Ein Buch, das den Leser in seinen Bann ziehen kann, vor allem, wenn er schon mit den virtuellen Welten zu tun hatte. Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen und habe es an einem Wochenende beendet, weil ich unbedingt wissen musste, wer hinter den verschiedensten Charakteren steckt und wie sich dieser Druck, den das Spiel auf die Schule ausübt, auflösen wird. Für Fans von Spielen ein must read, für die, die mit Computerspielen eher weniger zu tun haben jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach eher ein durchschnittlicher Roman.

Und wie es der Buchtrailer zu „Erebos“ so treffend auf den Punkt bringt: „Ein Buch, das genauso süchtig macht wie das Spiel, das es beschreibt.


Erebos

Ursula Poznanski
Loewe –  Januar 2010
485 Seiten, Klappenbroschur
[14,95 €]

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